Im Rahmen des vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geförderten Forschungsprojekts B2B-Konnekt untersucht das Institut CENTOURIS der Universität Passau, wie digitale Plattformlösungen regionale Wertschöpfungsnetzwerke in der Lebensmittelwirtschaft stärken können.
Eine zentrale empirische Grundlage bildet eine Online-Befragung mit 150 Teilnehmenden aus der Lebensmittelwirtschaft, darunter Erzeugerbetriebe, Lebensmittelhandel, Gastronomie und verarbeitende Betriebe. Ziel war es, das Potenzial sowie die Akzeptanz einer digitalen B2B-Vermarktungsplattform für regionale Lebensmittel aus Sicht potenzieller Anwenderbetriebe zu analysieren. Konkret wurde den Befragten eine digitale Plattform vorgestellt, auf der regionale Erzeugerbetriebe ihre Lebensmittel-Produkte anbieten und an regionale gewerbliche Abnehmer aus dem Lebensmittelbereich (bspw. Gastronomie, Handel, Kantinen) vermarkten können.
Die Ergebnisse zeigen ein grundsätzlich hohes Interesse an digitalen Plattformlösungen. Auf einer sechsstufigen Skala erreicht das Interesse einen hohen Durchschnittswert von 5,03, und 76 % der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, eine solche Plattform zu nutzen. Besonders positiv wird die Möglichkeit bewertet, Bestellungen verschiedener Anbieter über ein zentrales System zu bündeln und Logistikprozesse zu koordinieren.
Traditionelle Strukturen dominieren den Markt
Trotz dieses Interesses werden regionale Lebensmittel derzeit überwiegend über klassische Vertriebs- und Beschaffungswege gehandelt. Besonders häufig erfolgt die Vermarktung über den Großhandel oder Direktvermarktung. Auch bei der Kommunikation dominieren etablierte Kanäle wie Messenger-Dienste, E-Mail und Telefon. Digitale Plattformlösungen spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Zugleich zeigen die Ergebnisse mehrere strukturelle Herausforderungen im betrieblichen Alltag. Dazu zählen vor allem saisonale Verfügbarkeit regionaler Produkte, begrenzte Produktmengen sowie höhere Preise. Darüber hinaus berichten viele Betriebe von organisatorischem Aufwand, etwa durch die manuelle Übertragung von Bestellungen und Informationen zwischen verschiedenen Systemen.
Transparenz, Qualität und regionale Wertschöpfung als zentrale Treiber
Die wichtigsten Motivationsfaktoren für die Nutzung einer digitalen Plattform sind die Transparenz über Herkunft und Produktionsstandorte der Produkte (49 %), die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe (47 %) sowie Qualitätsaspekte regionaler Lebensmittel (45 %).
Netzwerkeffekte und Vertrauen entscheidend
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch zentrale Hürden für die Nutzung. 43 % der Befragten sehen die fehlende Präsenz bestehender Lieferanten auf der Plattform als größte Barriere. Auch die Präferenz für persönliche Geschäftsbeziehungen spielt für einen Teil der Betriebe eine Rolle.
Darüber hinaus sind technische Integration und Vertrauen zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Plattformlösung. Besonders wichtig sind Schnittstellen zu bestehenden Buchhaltungs- und Warenwirtschaftssystemen sowie ein transparenter und vertrauenswürdiger Umgang mit betrieblichen Daten. Das Vertrauen in den Plattformbetreiber wird mit einem Mittelwert von 5,19 auf einer Skala von 1 bis 6 als besonders relevant bewertet.
Großes, bislang ungenutztes Marktpotenzial
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass digitale B2B-Vermarktungsplattformen im regionalen Lebensmittelmarkt auf hohes Interesse und eine ausgeprägte Nutzungsbereitschaft stoßen. Gleichzeitig ist die tatsächliche Nutzung bislang noch gering.
Damit entsprechende Plattformlösungen erfolgreich sind, müssen ausreichend relevante Marktakteure eingebunden werden, eine nahtlose Integration in bestehende betriebliche Abläufe ermöglicht und transparente sowie vertrauenswürdige Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Den vollständigen Ergebnisbericht zur Studie finden Sie hier: Link zum Ergebnisbericht

