01.07.2024

Intelligentes Laden aus der Nutzersicht: Dynamische Strompreise & Primärregelleistung im Fokus

Studie zu intelligentem Laden beleuchtet die Use Cases Dynamische Strompreise und Erbringung von Primärregelleistung aus der Nutzerperspektive.

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Frau sitzt im Wohnzimmer und steuert mit ihrem Telefon die Ladung ihres Elektroautos. Im Hintergrund ist das Elektroauto, das an der Ladestation angeschlossen ist, zu sehen.

Im November 2023 wurde im Rahmen des Projekts „unIT-e2 – Reallabor für vernetzte Mobilität“ die vierte Online-Befragung im Vorfeld des sun-E-Cluster Feldversuchs durchgeführt. Das Institut CENTOURIS verfolgte mit dieser Studie das Ziel, die Einstellung und Nutzungsbereitschaft deutscher Elektroautobesitzerinnen und -besitzer zu den Use Cases dynamische Strompreise und Primärregelleistung zu untersuchen. Da frühere Studien gezeigt haben, dass in der deutschen Allgemeinbevölkerung wenig Vorwissen über intelligente Ladesysteme vorhanden ist, fokussiert sich diese Studie auf Elektroautobesitzerinnen und -besitzer, die den Einsatz der Technologien fundierter einschätzen können. Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Studie war daher, dass mindestens ein (teil-)elektronisches Fahrzeug im Haushalt vorhanden ist. Anhand einer Online-Stichprobe (n = 503) Befragten wurde im Befragungszeitraum vom 06. bis 10. November 2023 die Einstellung von deutschen Elektroauto-Besitzerinnen und -Besitzern gegenüber den Anwendungsfällen Dynamische Strompreise und Erbringung von Primärregelleistung analysiert. Die Use Cases wurden den Befragten anhand von Erklärvideos vorgestellt, in denen die Ziele, die Funktionsweise und die Vorteile der Anwendungsfälle beschrieben wurden.

Studienergebnisse zur Bewertung des Use Cases „Dynamische Strompreise“

Durch die Studie ging hervor, dass trotz der speziell ausgewählten Zielgruppe knapp die Hälfte der Befragten die Konzepte zur Optimierung des Strombezugs auf Basis dynamischer Strompreise vor der Befragung nicht oder nur wenig kannte. Der Großteil der Befragten (76%) bewertete die beschriebene Optimierung des Strombezugs auf Basis von dynamischen Strompreisen (eher) positiv und 78% könnten sich vorstellen, dynamische Strompreise zukünftig zu nutzen. Als wichtigster Vorteil wurde hierbei die finanzielle Ersparnis genannt, gefolgt vom Beitrag zur Energiewende, während der Beitrag zur Netzstabilisierung als am wenigsten wichtig angesehen wurde. Trotz einiger Bedenken hinsichtlich der finanziellen Vorteile und wahrgenommener Einschränkungen gaben auch 91 Personen an, keine Nachteile durch dynamische Strompreise wahrzunehmen. In Bezug auf die Änderung des Verbrauchsverhaltens ergab die Studie, dass 63% der Befragten bereit sind, ihr Stromverbrauchsverhalten anzupassen und 74% sich dabei Unterstützung durch Apps wünschen.

Studienergebnisse zur Bewertung des Use Cases „Erbringung von Primärregelleistung“

Die Ergebnisse der Befragung zeigen zudem, dass der zweite Anwendungsfall der Primärregelleistung nur 22% der Teilnehmenden im Vorfeld bekannt war, während wiederum knapp die Hälfte angab, diesen nicht zu kennen. Mit 71% der Befragten steht die Mehrheit dem Anwendungsfall der Erbringung von Primärregelleistungen (eher) positiv gegenüber und sogar 81% der Teilnehmenden können sich vorstellen, Primärleistungen in Zukunft zu nutzen. Auch in diesem Anwendungsfall wird die finanzielle Ersparnis als wichtigster Vorteil angesehen. Im Gegensatz zum Use Case Dynamische Strompreise wurde jedoch der Beitrag zur Netzstabilität als zweitwichtigster Vorteil angesehen, wohingegen dem Beitrag zur Energiewende am wenigsten Wichtigkeit zugeschrieben wurde. Im Zusammenhang mit dem Anwendungsfall Primärdienstleistungen wurden die Netzstabilisierung und die finanziellen Vorteile von den Teilnehmenden am häufigsten als positive Aspekte genannt.  Bei den negativen Aspekten der Primärleistungen werden keine wahrgenommenen Nachteile mit Abstand am häufigsten genannt.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft für dynamische Strompreise und Primärregelleistung unter Elektroautobesitzerinnen und -besitzern. Diese Zielgruppe eignet sich sehr gut als Early Adopters für die initiale Markteinführung. Die Kommunikation der Vorteile, insbesondere der finanziellen Einsparungen und des Beitrags zur Netzstabilisierung, sollte transparent und verständlich erfolgen. Eine gezielte Ansprache dieser informierten und interessierten Gruppe kann eine kritische Masse an Nutzern schaffen, die für den Erfolg dieser Technologien entscheidend ist.

Einen Überblick über die wichtigsten Studienergebnisse finden Sie hier.


Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderte Verbundprojekt unIT-e2 zielt darauf ab, Elektromobilität ganzheitlich und nachhaltig in das deutsche Energiesystem zu integrieren. Dabei konzentriert sich CENTOURIS insbesondere auf die Entwicklung attraktiver Angebots- und Anreizsysteme sowie die Gestaltung des regulatorischen Rahmens für intelligente Ladekonzepte aus Nutzerperspektive.