10.03.2026

Wirtschaftlichkeit des bidirektionalen Ladens aus der Nutzersicht

Neue Studienergebnisse aus dem Forschungsprojekt BDL Next geben Einblicke in die wirtschaftliche Bewertung des bidirektionalen Ladens aus Nutzersicht.

Zurück
Ladevorrichtung eines Elektrofahrzeugs

Welche Rolle spielen Wirtschaftlichkeitsaspekte für die zukünftige Nutzung des bidirektionalen Ladens? Dieser Frage ist das Institut CENTOURIS der Universität Passau im Rahmen der Nutzerbegleitforschung des Forschungsprojekts BDL Next nachgegangen. Ziel der Studie war es, die wirtschaftliche Attraktivität der Technologie aus Sicht potenzieller Nutzerinnen und Nutzer zu analysieren und zentrale Einflussfaktoren für Investitions- und Nutzungsentscheidungen zu identifizieren.

Das über drei Jahre hinweg vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Verbundprojekt läuft seit November 2023 und baut auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts Bidirektionales Lademanagement (BDL) auf. Im Mittelpunkt steht ein mehrstufiger Feldversuch zur Erprobung der Technologie im realen Betrieb. Die Universität Passau bringt im Projekt insbesondere die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer ein und untersucht, welche Faktoren eine hohe Nutzerakzeptanz für eine erfolgreiche Massenintegration bidirektionaler Ladeanwendungen fördern können.

Studiendesign und zentrale Ergebnisse

Für die Wirtschaftlichkeitsstudie wurde im September 2025 eine Onlinebefragung unter 593 Personen durchgeführt, die einen PKW-Führerschein besitzen und mindestens ein (teil-)elektrisches Fahrzeug im Haushalt haben. Untersucht wurden unter anderem die Bewertung der Technologie und ihrer Kostenstruktur, wahrgenommene Mehrkosten bidirektionaler Komponenten sowie erwartete finanzielle Vorteile entsprechender Anwendungen.

Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine positive Bewertung des bidirektionalen Ladens sowie eine grundsätzliche Teilnahmebereitschaft. Besonders Personen mit längerer Erfahrung in der Nutzung von Elektrofahrzeugen stehen der Technologie deutlich aufgeschlossener gegenüber.

Gleichzeitig wird deutlich, dass wirtschaftliche Aspekte der wichtigste Treiber für eine mögliche Nutzung sind. Finanzielle Anreize motivieren stärker als etwa der Beitrag zur Energiewende oder eine effizientere Energienutzung im Haushalt. Ein weiterer zentraler Befund ist, dass viele Befragte die wirtschaftlichen Potenziale unterschätzen: Während Studien Einsparungen und Einnahmen von bis zu rund 920 € pro Jahr durch die Kombination von Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G) nahelegen, erwarten die Teilnehmenden im Median lediglich etwa 500 € jährlich.

Präferenzen und Handlungsempfehlungen

Bei der Bewertung möglicher Anwendungen zeigt sich eine klare Präferenz für Vehicle-to-Home, also die Nutzung des Fahrzeugs als Energiespeicher im eigenen Haushalt. Am attraktivsten erscheint vielen Befragten jedoch eine kombinierte Nutzung von V2H und V2G. Als mögliche Bedenken äußern die Teilnehmenden unter anderem Unsicherheiten hinsichtlich des Batterieverschleißes, zusätzlicher Kosten sowie der technischen Komplexität der Systeme. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass für eine erfolgreiche Marktdurchdringung des bidirektionalen Ladens insbesondere eine klare Kommunikation der wirtschaftlichen Vorteile sowie eine verständliche Vermittlung der Funktionsweise und Nutzungsmöglichkeiten entscheidend sind.

Ausblick: Nutzerforschung im Pilotbetrieb

Die Studie ist Teil der umfassenden Nutzerbegleitforschung im Projekt BDL Next. In den kommenden Projektphasen wird das Passauer Projektteam weitere Aspekte der Nutzerperspektive untersuchen – insbesondere im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des voraussichtlich ab Mai 2026 startenden Pilotbetriebs. Ziel ist es, auf Basis realer Nutzungserfahrungen weitere Erkenntnisse für eine nutzerfreundliche und marktfähige Integration bidirektionaler Ladetechnologien zu gewinnen.