Hintergründe

Entwicklungen und Trends zum Thema Digitalisierung im Tourismus

Digitalisierung ist das Trendthema Nummer 1 im Tourismus in Deutschland. Stetig werden neue Technologien entwickelt, die von touristischen Anbietern in ihr Angebot integriert werden müssen, um den sich wandelnden Gästeerwartungen gerecht zu werden. Die Digitalisierung ermöglicht dabei auf vielfältige Art und Weise, das Reiseerlebnis für Gäste zu verbessern. Einerseits kann so z.B. die Customer Journey besser gestaltet werden, angefangen bei der Suche nach Informationen bis hin zur Buchung des Urlaubs. Aber auch darüber hinaus kann durch moderne Technologien der Mehrwert des Aufenthalts für Gäste gesteigert werden. Nur wer diese aktuellen Trends und Entwicklungen kennt, hat die Möglichkeit, den Markt mitzugestalten und mit der Konkurrenz mitzuhalten.

Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über wichtige Anwendungsfelder für touristische Leistungsträger.

 


Augmented Reality

Augmented Reality (AR) beschreibt eine Technik, die computergestützt eine Verknüpfung der realen und virtuellen Welt erzeugt. Dabei wird die gerade betrachtete Umgebung über digitale Anwendungen und intelligenter Software in Echtzeit mit Textinformationen und Grafiken unterlegt. Auch im Tourismus hat diese Technologie Einzug erhalten. Sehenswürdigkeiten, Trails und Naturerscheinungen können besucht und gesehen werden. Ebenso können virtuelle Technologien eingesetzt werden, um stark frequentierte Sehenswürdigkeiten wie Weltkulturerben zu entlasten. Anders als bei Virtual Reality sind hierbei keine zusätzlichen Endgeräte wie Tablet, Smartphone oder Brillen notwendig und der „Reisende“ kann sich frei bewegen.  

 

Vorstellung des Konzept der Augmented-Reality-Technologie in futuristischer Smart-Tech-Brille

Digital Wallet und Self-Souvereign-Identity-Standards (SSI)

Ein weiterer aktueller Digitalisierungstrend im Tourismus ist der voll-digitale Check-in auf Basis des Self-Souvereign-Identity-Standards (SSI). Auf diese Weise soll dem Reisenden der physische Kontakt beim Check-in erspart bleiben. Im SSI-Modell besitzt jeder Nutzer seine persönliche „Wallet“ als digitales Portemonnaie. Darin speichert und verwaltet er seine ID-Nachweise, zum Beispiel Personalausweis und Führerschein, Kreditkarte und BahnCard. Um Digitalisierungspotenziale zu erschließen und zugleich Daten und Identitäten der Menschen zu schützen, werden zunächst all diese Identitäten durch die jeweiligen Aussteller wie etwa Meldebehörde oder Geldinstitut geprüft und elektronisch signiert. Durch die verifizierte Signatur bleibt dem Gast das Mitführen von Reisedokumenten erspart und ein datensparsamer Austausch digitaler ID-Nachweise soll garantiert werden.

 

Weibliche Hand mit mobilem Smartphone führt Transaktionen aus

Geotagging

Geotagging bezeichnet die Anreicherung einer Datei, insbesondere Fotos, mit Standortdaten. Diesen Fotos liegt dann die Information bei, an welchem Ort sie erstellt wurden. Geotagging wird vor allem in sozialen Medien verwendet, um mithilfe der Koordinaten den eigenen Standort bzw. den Entstehungsort von Fotos, wie beispielsweise Urlaubsorten, mitzuteilen. Die rasant wachsende Beliebtheit dieses Features bringt aber auch negative Folgen, wie z. B. Overtourism, mit sich.

Frau hält ein Blatt mit Ortskennzeichnung über dem Kopf

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz kann vielfältig eingesetzt werden und liefert auch für den Tourismus zunehmend wichtiger werdende Impulse. Durch verschiedene Technologien führen dabei Maschinen mit menschenähnlicher Intelligenz Aufgaben aus und erschaffen so einen Mehrwert. Dies geschieht, indem unzählige strukturierte Daten, welche Userinnen und User bereit sind zu teilen, verwertet werden. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz spart nicht nur Zeit und Geld, sondern liefert auch Ergebnisse, die optimal auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer angepasst sind.

Mögliche Einsatzfelder im Tourismus sind die Prozessoptimierung bei der Reisebuchung oder auch maßgeschneiderte Empfehlungen zum Reisebetrieb. Voraussetzung ist der Aufbau einer Datenbank, in der strukturierte Daten gespeichert und später wieder entwertet und genutzt werden können.

 

Blaues digitalisiertes Netzwerk vor schwarzem Hintergrund

Mobile Payment

Während der Reise wünschen sich immer mehr Menschen, vor Ort bequem mit ihrem Smartphone zahlen zu können. Für diese Methode ist kein Kontakt nötig und somit ist die Zahlung hygienischer als mit Bargeld oder Kreditkarte - ein wichtiger Aspekt gerade in Zeiten der Pandemie. Außerdem kann die Transaktion schneller ablaufen, sodass beide Seiten Zeit sparen. Alles was dazu benötigt wird, ist ein NFC-fähiges Gerät, auf dem eine Bezahl-App installiert ist, wie zum Beispiel ein Smartphone, eine Smartwatch oder ein Tablet. Zur Zahlung wird das Gerät in die Nähe eines Terminals gehalten und die Zahlung mit einer Sicherheitsabfrage autorisiert.

Um mobiles Zahlen zu ermöglichen, ist es notwendig, sich bei dem Anbieter der Wahl zu registrieren und die entsprechende Bezahl-App auf das mobile Endgerät zu laden. Nach Angabe der Daten wird ein passendes Kartenlesegerät zugeschickt.

 

Mann bezahlt Rechnung über Smartphone mit NFC-Technologie

QR-Code

Bei einem QR-Code (Quick Response Code) handelt es sich um einen so genannten Datamatrix-Code, der mit einem Codelesegerät oder einem Smartphone abfotografiert werden kann und dadurch den Kundinnen und Kunden zusätzliche Informationen, beispielsweise durch eine Weiterleitung zu einer Webseite, bereitstellt. Zudem erleichtern sie kontaktlose Transaktionen und vermindern Wartespannen.

Eine junge Frau scannt mit ihrem Smartphone den QR-Code, um das Menü im Restaurant auszuwählen

Share Economy

Share Economy  funktioniert nach dem Leitmotiv, dass Konsumentinnen und Konsumenten Dinge nicht mehr unbedingt besitzen, sondern vielmehr benutzen wollen. Dadurch sind Plattformen entstanden, auf denen Güter oder Dienstleistungen zeitlich begrenzt geteilt werden können. Bekannte Beispiele im Tourismus sind die Online-Plattformen Airbnb und Couchsurfing in der Vermittlung von Unterkünften sowie Uber oder BlablaCar im Transportsektor. Mithilfe dieser Anbieter wird das Bedürfnis vieler Gäste nach einem nachhaltigen und einzigartigen Reiseerlebnis gestillt. 

Um auf diesen Trend einzugehen, muss der Lebensstil dieser Kundengruppe berücksichtigt werden. Angebote könnten individueller und authentischer gestaltet, der Konsum nachhaltiger ausgelegt und Begegnungsorte geschaffen werden. Außerdem sollten Anbieter die Kooperation mit einer Sharing-Plattform in Erwägung ziehen, da durch die Vermittlung nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Leistungserbringer ein Mehrwert entstehen kann.

 

Konzept der Kreislaufwirtschaft von Ressourcen

Social Media und Influencer Marketing

Durch Beiträge auf Social Media lassen sich insbesondere junge Menschen (aber zunehmend auch ältere Zielgruppen) zu ihrer nächsten Reise inspirieren. Beim Stöbern auf Plattformen, wie Tiktok, Instagram und YouTube, verfolgen sie Fotos, Videos, Erfahrungen und Tipps von Influencern. Damit gemeint sind sehr populäre User und Userinnen von sozialen Netzwerken, die regelmäßig Beiträge aus ihrem Leben oder auch von ihren Reisen veröffentlichen. Dabei machen Influencer sehr glaubwürdig Werbung, so dass sich laut einer Studie der GfK jeder Fünfte auf diese Weise zu einer Buchung verleiten lässt.

Um dieses Marketing-Tool erfolgreich zu nutzen, ist der erste Schritt die Erstellung eines eigenen Kanals auf einem oder mehreren sozialen Netzwerken, um dort hochwertige Fotos und Berichte in Echtzeit teilen zu können. Danach sollten geeignete Influencer für Kooperationen ausgewählt werden. Durch deren kreative Beiträge werden neue Gäste auf das Angebot aufmerksam und von einer Buchung überzeugt.

 

Hand mit Smartphone mit Social-Media-Konzept.

Virtuelle Realität

Virtuelle Realität (VR) ist eine simulierte Welt, die durch den Computer generiert wird. Statt gelangweilt durch den Reisekatalog zu blättern, können Kunden meist mithilfe einer VR-Brille von zu Hause aus in entfernte Destinationen eintauchen. Sehr beliebt sind auch 360°-Videos, um bereits im Vorfeld ein umfangreiches Bild vom Reiseziel zu bekommen. Durch diesen intensiven und realistischen Eindruck können Interessierte stärker dazu bewegt werden, die Buchung des Urlaubs letztendlich auch abzuschließen.

 

Frau mit VR-Brille erkundet Raum

Voice Search

Mit einer Spracheingabe können Menschen das Internet durchsuchen und Fragen stellen. Dank bekannter Tools wie Alexa und Siri werden Anfragen nicht mehr in Stichpunkten eingetippt, sondern können ganz einfach ins Mikrofon eines Smartphones eingesprochen werden.

Damit ein Gast einen bestimmten Anbieter als optimales Suchergebnis vorgeschlagen bekommt, muss die eigene Website dahin angepasst werden. Am besten wählt man dazu sogenannte Long Tail Keywords, womit speziellere Suchbegriffe gemeint sind, welche aus mehreren aneinandergereihten Wörtern bestehen.

 

Frau bedient Sprachsteuerung ihres Mobiltelefons

Workation

Während der Pandemie ist mobiles und ortsunabhängiges Arbeiten immer beliebter geworden. Daraus entstanden ist der Trend Workation, welcher die beiden Begriffe "Work" (Arbeiten) und "Vacation" (Urlaub) verbindet. Konkret bedeutet das, dass tagsüber von einem Hotel aus gearbeitet wird und die Reisenden anschließend in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben, einen fremden Ort zu entdecken oder zu entspannen.

Damit ein Beherbergungsbetrieb auf diese Touristengruppe vorbereitet ist, ist die Bereitstellung von digitaler Infrastruktur essenziell, denn Berufstätige legen viel Wert auf einen schnellen Internetzugang sowie eine gute elektronische Ausstattung. Außerdem sind ein eigener Arbeitsbereich und ein ausgebautes Wellness-, Sport-, und Freizeitangebot sehr beliebt. 

 

Frau vor Bergkulisse blickt ins Tal